Erbrechen:

Ein häufiges, aber nicht immer harmloses Symptom.

Was ist Erbrechen?

Das Erbrechen ist ein wichtiger, aktiver Abwehrmechanismus des Körpers. Damit kann sich der Körper schnell und effektiv von giftigen Substanzen oder Fremdkörpern befreien. Es handelt sich hier um einen Reflex, d. h. eine Reaktion, welche nach entsprechender Stimulation automatisch abläuft. Das Erbrechen kann im Ablauf in drei Phasen unterteilt werden. Diese zu kennen kann maßgebend bei der Erkennung und Einordnung des Erbrechens helfen.

1. Phase: Übelkeit (Nausea)

Diese Phase ist beim Hund etwas schwerer zu erkennen als beim Menschen, weil der Hund nicht in Worten kommuniziert. Häufig können beim Hund aber Schmatzen, leeres Schlucken, Gähnen, Unruhe, Herumwandern und auffälliger Speichelfluss, also Erregungszustände beobachtet werden. Die vermehrte Produktion des basischen Speichels und das Abschlucken desselben schmiert die Speiseröhre und neutralisiert den sehr sauren Mageninhalt.

Eine Besonderheit des Hundes stellt das Gras fressen während der Übelkeit dar. Die meisten gesunden Hunde sieht man ab und zu Gras fressen. Viele Besitzer werden jedoch mit sehr auffälligem Grasfressen bei ihrem Hund konfrontiert: „Er grast wie eine Kuh“. Meistens findet dieses Verhalten am Morgen, auf leeren Magen statt. Die Mehrheit der Hunde erbricht im Anschluss das gefressene Gras eingepackt in Schleim, teilweise mit Galle.

Treten die beschriebenen Symptome täglich auf, so muss dieses Verhalten als krankhaft beurteilt werden und deutet auf eine Erkrankung des Magendarmtraktes hin. Diese Patienten verspüren auf leeren Magen Übelkeit und fressen das Gras, um damit den Brechreiz anzuregen. Früher wurde dieses Phänomen „Frühmorgenerbrechen“ (aus dem Engl. „early morning vomiting“) genannt. Die zugrunde liegenden Ursachen können sehr unterschiedlich sein und werden später ausführlich besprochen.

2. Phase: Würgen

Diese Phase ist einfach zu erkennen. Hier kommt es zum kräftigen Zusammenziehen der Bauchmuskulatur und des Zwerchfells, bei geschlossenem Kehlkopf. Es können intensive, tiefe Bewegungen des Brustkorbes nach außen und der Bauchdecke nach innen beobachtet werden. Der Rücken ist dabei meist aufgekrümmt. Die Maulhöhle bleibt geschlossen. Dadurch entsteht ein Unterdruck in der Brusthöhle (da der Kehlkopfdeckel geschlossen ist, kann keine Luft eingeatmet werden) und ein Überdruck in der Bauchhöhle. Diese Druckverhältnisse verursachen eine Verschiebung des Mageninhaltes in die Speiseröhre und leiten somit das Erbrechen ein.

3. Phase: Erbrechen

Hier findet der eigentliche Auswurf des Mageninhaltes statt. Dabei wechselt der Unterdruck in der Brusthöhle zum Überdruck. Die Maulhöhle ist dabei weit offen. Damit es nicht zum Einatmen des Erbrochenen kommt, bleibt der Kehlkopf während des Auswurfs geschlossen. Nachdem das Erbrochene ausgeworfen wurde, kommt es meistens zu intensivem Lecken und Schlucken. Es ist nicht außergewöhnlich, dass Hunde mehrmals hintereinander erbrechen.

Wie wird das Erbrechen ausgelöst?

Die Steuerung des Erbrechens ist sehr komplex. Das Zentrum dieses Ereignisses befindet sich in einem spezialisierten Bereich des Gehirns, dem so genannten Brechzentrum. Dieses liegt in einem entwicklungsmässig alten Teil des zentralen Nervensystems, dem Nachhirn. Die Stimulation dieses Zentrums durch verschiedene Reize löst die ganze Kaskade des Erbrechens aus. Die wichtigsten Auslöser sind:

1. Reiz im Bereich der inneren Organe

Praktisch jedes Organ des Körpers, insbesondere aber die Organe der Bauchhöhle, besitzen Rezeptoren, welche das Brechzentrum anregen können. Erkrankungen des Magendarmtraktes, der Milz, Leber, Niere, Prostata usw. können sich mit Erbrechen bemerkbar machen. Vor allem Entzündungen (Schwellung) und mechanische Reize (z. B. Fremdkörper) oder bösartige Wucherungen (Krebs) können Erbrechen auslösen.

2. Störungen des Gleichgewichtzentrums

Das Gleichgewicht wird hauptsächlich vom Kleinhirn und Innenohr kontrolliert. Ein klassisches Beispiel für eine Störung des Gleichgewichts, das mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen kann, ist die Reisekrankheit. Sicher haben schon viele Leser und Leserinnen bereits eigene Erfahrungen mit diesem Phänomen gemacht.

Beim Hund, insbesondere bei Welpen, kann dies beispielsweise beim Auto fahren passieren. Entzündungen des Mittel- / Innenohrs oder des Kleinhirns, wie auch Durchblutungsstörungen oder Neoplasien (Krebs) in diesem Bereich können zum Erbrechen führen. Eine besondere Erkrankung, das so genannte Vestibulärsyndrom, eine Störung des Gleichgewichtzentrums, welches hauptsächlich bei älteren Tieren auftritt, kann ebenfalls Erbrechen verursachen.

3. Grosshirnerkrankungen

Obwohl es sich beim Erbrechen um einen Reflex handelt, hat das Großhirn (verantwortlich für willentliche Handlungen) einen gewissen Einfluss auf das Brechzentrum. Ein typisches Beispiel dafür sind visuelle oder emotionale Wahrnehmungen, die das Erbrechen auslösen können. Beim Hund werden auch Epilepsiefälle vermutet, die sich nur mit Erbrechen bemerkbar machen (so genannte viszerale Epilepsie). Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen oder Hirnkrebs können ebenfalls Erbrechen auslösen.

4. Gifte (Toxine) und Stoffwechselstörungen

Zusammen mit den Erkrankungen der inneren Organe gehört diese Kategorie zu den häufigsten Ursachen für Erbrechen. Giftstoffe wie beispielsweise Schneckenkörner (Methaldehyd) oder verschiedene Medikamente (am häufigsten Antibiotika) und Gifte aus Stoffwechselstörungen wie Nierenversagen oder eine Nebennierenunterfunktion wirken auf eine Region im Gehirn, welche ihrerseits das Brechzentrum stimuliert und so zum Erbrechen führt. Das Gehirn selber ist von Natur aus extrem gut gegen äußerliche Einflüsse, Gifte und Medikamente geschützt. Verantwortlich dafür ist die so genannte Blut-
Hirn-Schranke. In der erwähnten Region des Gehirns ist diese Schranke sehr wenig entwickelt, weshalb sich chemische Reize so auswirken können.

Sollte sich der Hund gelegentlich erbrechen, ist das nicht unbedingt ein Grund zur Besorgnis. Bedenklich ist es dagegen, wenn das Tier sich innerhalb kurzer Zeit mehrmals erbricht und auch ansonsten einen kranken Eindruck macht. Ist die Ursache nicht feststellbar, sollte wie bei jeder Form des Erbrechens auf jeden Fall sofort das Futter entzogen werden, aber stellen Sie ihm frisches Wasser zur Verfügung.

Erbrechen kann auch ein Anzeichen für eine beginnende Infektion oder für eine Vergiftung sein. Daher bei wiederholtem Erbrechen trotz Futterentzug das Tier in eine warme Decke wickeln und zum Tierarzt bringen. Wenn Ihr Hund sich über längere Zeit erbricht, prägen Sie sich gut ein, wie er dies tut und wie das Erbrochene aussieht. So können Sie Ihrem Tierarzt über beides genaue Angaben machen. Am besten nehmen Sie eine kleine Menge des Erbrochenen in einem Glas mit, damit der Tierarzt eine entsprechende Analyse durchführen kann.