Feuerwerk (und die Angst davor)

Bekanntermaßen haben Hunde und Katzen ein wesentlich feineres Gehör als wir Menschen. Logisch, dass technische Geräusche wie Pfeifer, Böller und Heuler Angst und Schrecken verbreiten. Dafür wurde ursprünglich das Feuerwerk erfunden, um militärische Gegner zu beeindrucken und in Angst zu versetzen.

Hunde sind durchaus in der Lage, ängstliche Knallerei ertragen zu lernen... immerhin müssen Jagdhunde schussfest sein. Sie werden früh mit dem Schussknall konfrontiert und lernen schnell, dass dieses -für sie unnatürliche - Erlebnis keine wirkliche Bedrohung darstellt. Hunde sind unwahrscheinlich lernfähig.
Fatalerweise lernen aber viele Familienhunde falsch, wenn sie ohne jegliche Vorbereitung mit dem (ersten) Silvesterknall konfrontiert werden – und ihre Menschen dann falsch reagieren.

Gut sozialisierte Hunde beobachten in Situationen, die sie selbst nicht überblicken können, ihren Rudelführer „Mensch". Bleibt dieser dann ruhig und ignoriert die Unsicherheit des Hundes, fügt dieser sich und akzeptiert die zwar unangenehme, aber unabwendbare Situation. Er lernt: „Alles kein Problem, der Boss bleibt cool, also muss auch ich mich nicht fürchten“. Leider neigen wir Menschen aber oft zu unangebrachtem und damit falschem Verhalten: Schwächere werden geschützt und Ängstliche getröstet. Aus der Perspektive des unsicheren Hundes bedeutet diese übermäßige Zuwendung in einer Krisensituation jedoch:“...die Situation ist viel ernster – sogar der Boss hat Angst...". Ängste und Phobien neigen dazu, sich selbst zu verstärken.

Werden ängstliche Hunde bei jedem Silvesterfeuerwerk in ihrem falschen Verhalten bestärkt, zementiert sich diese Phobie zu einem echten Problem.
Viele Hunde leiden dann körperlich, fressen nicht mehr, werden unsauber oder bekommen gar eine Zerstörungswut.

Was kann man tun?

Rechtzeitiges Lernen ist das A und O. Schon der Welpe sollte lernen, in angstauslösenden Situationen so cool zu bleiben wie sein Boss. Ideal ist, wenn Welpen schon in der Prägephase(8.-14. Lebenswoche) solche Erfahrungen wie Knallereien erleben und bewältigen lernen können. Eine gute Welpenspielgruppe sollte das ermöglichen. Ein älterer Hund kann durch konsequente Erziehung zum Gehorsam und gründliche Sozialisierung Selbstsicherheit und gegebenenfalls durch das schrittweise Heranführen an ängstigende Situationen lernen, auch damit fertig zu werden.

Und beim ganz “hoffnungslosen Fall“ kann immer noch eine kompetente professionelle Hilfe gute Dienste leisten. Wie schon beschrieben, Hunde (und auch ihre Menschen) sind unwahrscheinlich lernfähig... auch im höheren Alter!