Patella Luxation

"Luxation" ist die medizinische Bezeichnung für "Ausrenkung" und die "Patella" ist die Kniescheibe des Hundes. Insofern ist eine luxierte Patella eine ausgerenkte Kniescheibe; eine Kniescheibe, die immer wieder aus ihrer natürlichen Halterung herausrutscht. Diese Funktionsstörung kann bei Hunden vorkommen, deren Bänder, Sehnen und/oder Muskeln in den Hinterbeinen schwach oder deren Ober- und Unterschenkelknochen nicht gerade sind. Auch bei Hunden, deren Rille im Kniegelenk, der natürliche Platz der Kniescheibe, zu schmal oder zu flach ist, ist die Patella Luxation zu finden. Es gibt Grad 1 bis 4 der Patella Luxation, je nach Schwere ihrer Ausprägung. 

In der Bewegung rutscht bei einem betroffenen Hund die luxierte Kniescheibe üblicherweise nach innen - zum Körper hin - und verkeilt sich dort, so dass der Hund sein Bein nicht mehr anwinkeln kann. Es ist ein deutlicher Hinweis auf eine vorliegende Patella Luxation, wenn der Hund beim Laufen dazu neigt, ein Hinterbein hochzuziehen oder mit einem Bein hüpft (das sieht fast aus wie ein Wechselschritt).

Manche Hunde mit Patella Luxation bewegen beim Laufen beide Hinterbeine synchron; sie hoppeln wie ein Kaninchen. Diese Bewegungsauffälligkeiten sind dadurch zu erklären, dass eine der Kniescheibe verrutscht und sich, wie oben beschrieben, verkeilt, so dass das entsprechende Hinterbein weder angewinkelt noch belastet werden kann.

Patella Luxation kann den Hund - je nach Ausprägung - ganz unterschiedlich beeinträchtigen. Während der eine Hund nur durch zeitweises Hüpfen mit einem Hinterbein auffällt, ohne besonders behindert zu erscheinen, zieht der andere das betroffene Bein für eine mehr oder weniger lange Zeit nach oben und zeigt dabei deutliches Missempfinden. Tritt Patella Luxation an beiden Hinterbeinen gleichzeitig auf, kann sich der gesamte Aufbau des Hundes verändern. Der Rücken senkt sich ab und die Hinterbeine spreizen sich beim Laufen nach außen weg.

Die Funktion der Kniescheibe:

Die Kniescheibe selber ist von der Sehne des Quadrizep-Muskels umgeben und gleitet über das untere Ende des Oberschenkelknochens. Je nach Kontraktion dieser Muskelgruppe, beugt sich das Bein unterhalb des Kniegelenkes nach vorne oder streckt sich - jeweils im Verhältnis zum Oberschenkel. Das ist ein wesentlicher Bestandteil des Laufens oder Rennens... der Unterschenkel wird zum nächsten Schritt nach vorne gebracht. Die Kniescheibe gleitet in dieser Bewegung am unteren Oberschenkelknochen hoch und runter. Sie gleicht so die Position des Quadrizep-Muskels im Verhältnis zum Schienbein (dem großen Knochen unmittelbar unterhalb des Kniegelenkes) aus.

Die Sehne des Quadrizep-Muskels ist unmittelbar am obersten Teil dieses Knochens befestigt. Betrachtet man das Kniegelenk eines gesunden Hundes von vorne, so erkennt man zwei Knochenkämme. Diese Kämme formen eine gut ausgebildete Rille, in der die Kniescheibe während der Laufbewegung hoch und runter gleitet. Diese Knochenstruktur begrenzt die Bewegung der Kniescheibe innerhalb dieser Rille und kontrolliert damit die Auswirkungen des arbeitenden Muskels auf das Schienbein.

Bei der Patella Luxation bewegt sich die Kniescheibe während des normalen Streckens und Beugens des Gelenkes aus ihrer Position zwischen den Knochenkämmen. Sie gleitet aus ihrer Rille über den inneren Knochenkamm und positioniert sich innen neben dem Gelenk. Der drehende Zug, den der Quadrizep-Muskel in einer normalen Beinbewegung ausübt, ist bereits schon dazu angetan, eine Luxation der Patella herbeizuführen; jedoch wird dies normalerweise durch die umgebende Knochenstruktur verhindert. Wenn die Kniescheibe aus ihrer von Knochenkämmen umgebenen Rille luxiert ist, kann sie erst wieder in ihre normale Position gleiten, wenn der Quadrizep-Muskel in der Entspannung seine maximale Länge wieder erreicht hat.

Das erklärt, warum der betroffene Hund nach erfolgter Luxation der Patella zunächst das entsprechende Bein für einige Minuten angezogen hält: Während der Muskel angespannt und die Patella aus ihrer korrekten Position luxiert ist, bleibt das gesamte Gelenk in dieser - gestreckten oder gebeugten - Position und das Bein kann keinen weiteren Schritt machen.

Die Patella Luxation ist für den Hund in dem Moment schmerzhaft, in dem die Kniescheibe über den Knochenkamm gleitet. Nach erfolgter Luxation hat der Hund keine Schmerzen. Ein wiederholtes Gleiten der Kniescheibe über die Knochenkämme kann möglicherweise zu einer schmerzhaften, arthritischen Entwicklung des Gelenkes führen. Diese arthritische Veränderung als Folgeerscheinung der Patella Luxation ist die am meisten gefürchtete Konsequenz dieser Funktionsstörung. Insofern ist es notwendig, eine etwa bestehende Patella Luxation frühzeitig zu erkennen, um langfristig ein arthritisch bedingtes Verkrüppeln der Gelenke vermeiden zu können.

Es sind viele Kleinhunderassen von dieser Kniescheibenschwäche betroffen, wobei sich die Luxationen in den seltensten Fällen auf einen Unfall zurückführen lassen. Eine diesbezüglich genetische Disposition ist bei einem Großteil der auftretenden Fälle anzunehmen.