Mit Beginn der vierten Lebenswoche hat der Welpe einen Reifegrad erreicht, der ihm aus eigenem Antrieb immer mehr Lernen und Erleben ermöglicht.
Von diesem Zeitpunkt an muss es ihm ermöglicht werden, seine zaghaften Schritte über das Wurflager hinaus in die ihm noch unbekannte Welt zu setzen.

Er soll in den nächsten Tagen und Wochen all die Dinge kennen lernen, die für sein künftiges Leben wichtig sind. Sofern ihm dabei nichts vorenthalten wird, kann er sich in dem für ihn notwendigen Umfang auf seine spezielle hundliche Umwelt prägen.

Eine durch den Züchter altersentsprechend gut aufgebaute und sensible Prägung kann den Welpen im Lernen an seiner aktuellen und ihn speziell betreffenden Umwelt unterstützen, in dem dessen „erblich offenes Verhaltensprogramm“ bleibend vervollständigt wird.

Das Ermöglichen von vielfältigen Lernerfahrungen, welche dem Welpen helfen, seine Umwelt „zu begreifen“, ist daher die wichtigste Züchteraufgabe.

Abenteuerland Züchter

Oder: Wie wird dieser Anspruch in meiner Zuchtstätte „vom Arenberger Grund“ umgesetzt?

1. Die Helfer in der Wurfaufzucht:

Der kleine Welpe erlebt mit seinen Geschwistern neun Wochen lang das vorsichtige Hineinwachsen in ein intaktes Rudelgefüge mit zur Zeit drei weiteren Eurasiern (Flint, Insha, Crazy Chilli) unterschiedlichen Alters und Geschlechts, welche „im wahren Leben und auch außerhalb der Wurfaufzucht“ gut miteinander auskommen.

Er erlebt darüber hinaus eine liebevolle Mutterhündin (Crazy Chilli) als beste Lehrmeisterin überhaupt, denn wer tröstet, spendet Nahrung und putzt den Welpenbauch so sauber wie Mama?

Er erlebt einen instinktsicheren, in der Welpenaufzucht sehr erfahrenen Altrüden (meinen Flint), der  bewusst Lerneinheiten für die Kleinen arrangiert und sich mit diesen ab der 5. Woche in die aktive Erziehung begibt (Sie sollten mal sehen, wie gut die Kleinen sich dem Uropa unterwerfen. Kommunikation pur und wichtig für kleine draufgängerische Welpen)

Er erlebt im weiteren eine instinktsichere, in der Welpenaufzucht erfahrene Althündin (meine Insha zog drei eigene Würfe vorbildhaft auf) und diese führt jetzt zusammen mit der jungen Mutterhündin (Crazy Chilli) intensive Pflege- und Aufzuchtsmaßnahmen in guter Arbeitsteilung durch

Er erlebt in seinem Geschwisterverbund altersgleiches, intensives und  abwechslungsreiches Spielen als „Lernen fürs Leben“

Er erlebt mich als eine leidenschaftliche und in der Wurfaufzucht erfahrene Züchterin, welche die Mutterhündin sowie die beiden Alttiere als „Helferin“ in ihren vielfältigen Aufgaben unterstützt.

2. Die Prägung auf Menschen und Umweltreize:

Der Welpe darf  bei engstem Familienanschluss das ständige Vorhandensein vertrauter Menschen genießen und kann sowohl das eigens eingerichtete Welpenspielzimmer als (später) auch die gesamte Wohnung selbstverständlich nutzen.

Er bekommt dabei alle typischen Alltagsgeräusche und Tätigkeiten mit (einschließlich des sonoren Brummens unserer Harley Davidsons in der Garage) sowie zusätzlich durch mich „arrangierte Lern-Situationen“(inszeniertes Kleinfeuerwerk, Geräusch-CD „Donnergrollen und Gewitter“, Flötenkessel usw.)

Der Kleine erlebt Menschen unterschiedlichen Alters, auch Gehbehinderte und Kinder - auch im Rollstuhl - sowie Menschen mit Hüten, Regenschirmen, Kinderwagen, Rollschuhen, Gehhilfen - diese laufen dann „wie zufällig“ (durch liebe Mithelfer = Verwandte und Kinder aus der Nachbarschaft organisiert) dem Welpen „über den Weg“.

Der Welpe bekommt jederzeit individuelle menschliche Zuwendung durch schmusen, spielen und streicheln und erlebt einen harmonischen Wechsel von Aktivitäts- und Ruhephasen durch einen entsprechend gestalteten Tagesablauf, dabei darf er ungezwungen und so oft wie möglich  im Garten spielen.
Dort erlebt er, was die Natur alles bereit hält: Z.B. einen Abenteuerparcours, der ihn ebenfalls mit unterschiedlichen, aber sehr wohldosierten Reizen (akustisch, taktil, optisch) konfrontiert.

Abenteuer häuslicher Welpenspielplatz:

Ebenfalls langsam aufbauend und dem Entwicklungs- und Erfahrungsstand des Welpen entsprechend, gestalte ich auch den Welpenspielplatz in unserem Garten abwechslungsreich und interessant:

Der Welpe benutzt diesen ausgeschlafen und gesättigt und in der Regel im Geschwisterverbund und bei ständiger Anwesenheit der Mutterhündin sowie der beiden Althunde.
Angstbesetztes Verhalten wird meinerseits nicht kommentiert, jedoch wird jeder Erfolg gebührend und überschwänglich gelobt (Lernen durch Verstärkung).

Der Spielplatz besteht aus (wechselnden) Taststraßen, auf denen sich der Welpe auf Gras, Sand, Holz, Gitterrosten, wippenden Schüsseln, kleinen Bällen, Plastikplanen und Alufolien bewegt.

Windräder drehen sich auf dem Rasen und Dosen kullern wie rein zufällig über den Boden. Tücher und Baustellenabsperrbänder flattern vor und über dem Welpen und Zelte und Tunnel bieten dunkle Verstecke. Abenteuer pur - was gibt es Schöneres?

Wäsche hängt an der Leine und zwischendurch weht ein geöffneter Schirm über den Boden. Alles wirkt - wie immer - zufällig arrangiert. Dabei beobachte ich jedoch intensiv die Stimmungslage des Welpen: Wirkt er munter und fidel, kann ich es mit einem weiteren wohldosierten Reiz versuchen - wie wäre es mit einem kräftigen Pfiff aus der Kindertröte (natürlich beim erstmaligen Einsatz aus gebührender Entfernung)?

Ein Wasserplanschbecken sowie ein Sandkasten stehen übrigens für den Welpen-Müßiggang ständig zur Verfügung, ebenso die große schattige Rasenfläche.

Abenteuer erweiterte Umwelterfahrungen:

Durch die Konfrontation mit immer neuen, seinem Entwicklungsstand angepassten Reizen, wird sich somit das kleine Welpengehirn enorm fortentwickeln.
Durch die ausgiebige Gelegenheit zur Umwelterkundung und zum Spiel wird es dem Welpen nun auch in seinem motorischen Bewegungsapparat Sicherheit signalisieren.
Das lässt ein weiteres Aufbauen der Umwelterfahrungen zu:

Der Welpe lernt das Tragen des Halsbandes und alternativ eines Geschirres durch behutsamen Aufbau und positiver Verstärkung kennen, ebenso die Leine als Führobjekt.

Ein Lockpfiff (Signal aus einer Pfeife) als Kommunikationsmittel wird eingeführt und etabliert (sehr praktisch, denn der Welpe lässt sich damit auch aus der größten Ablenkung und dem wildesten Spiel heraus heranholen und dem Neubesitzer wird die Anfangszeit mit dem Welpen etwas erleichtert)

Auch das Mitfahren im Autofahren wird geübt, denn bei Abholung des Welpen durch die Neubesitzer wird der Kleine damit unmittelbar konfrontiert (auf meinem Schoß wird der Kleine seine ersten Übungsrundfahrten sicher überstehen). Und beim sogenannten „Trödelspaziergang“ gehen wir über ruhige Nebenstraßen auf eine große Wiese. Der Welpe bestimmt das Tempo und - dort angekommen - darf er sich viel Zeit nehmen beim Verarbeiten der vielen Eindrücke: Schmetterlinge, Vogelgezwitscher, Blumen usw. Pure Erfahrungserweiterung im wahrsten Sinne.

3. Fazit der prägenden Welpenaufzucht:

Nach neun Wochen wird nichts mehr an den neugeborenen, hilflosen Kleinen, der eigentlich einem Maulwurf ähnlicher sah als einem Hund, erinnern!

Gemeinsam mit seiner Mama und seinen Geschwistern sowie mit mir als seinem „Züchterfrauchen“ hat der Welpe gelernt, sich an viele Dinge, die zuerst einmal potentiell angsterregend sind, zu gewöhnen!

Er hat durch das wichtige Spiel mit seinen Geschwistern sowie den mit im Haushalt lebenden erwachsenen (Alt)Hunden die Grundbegriffe des „Hundeknigge“ gelernt und den Menschen als liebenswerten Sozialpartner erfahren.

Dadurch hat er sich zu einem neugierigen Lebewesen gemausert, das mit aller Macht den weiteren Geheimnissen des Lebens auf die Spur kommen will. Und durch die gelegten Vorerfahrungen sowie der Hilfe seiner neuen Menschen  wird es das sicher schaffen!
Prägung und Zucht